Heute ist Wahlsonntag…

Wenig überraschend werde ich heute zweimal GRÜN wählen: mit der Zweitstimme die Partei und mit der Erststimme unsere Wuppertaler Kandidatin Sylvia Meyer, die einen tollen Wahlkampf geführt hat, uns sympathisch und hochkompetent repräsentiert hat und die ich jedem Unentschlossenen nur wärmstens ans Herz legen kann. Aber auch den Kandidaten von SPD, CDU, Linke und FDP gilt mein Respekt für einen fairen und engagierten Wahlkampf. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was das für eine intensive und anstrengende Zeit ist. Rainer Spiecker, Bernhard Sander und Manfred Todtenhausen kenne ich persönlich schon seit langer Zeit aus der Zusammenarbeit im Rat. Nicht immer war ich ihrer Meinung und trotzdem konnte man immer vernünftig und auf Augenhöhe miteinander diskutieren und trotz unterschiedlicher politischer Positionen gibt es keinen Zweifel daran, dass es ihnen bei ihrer ehrenamtlichen Ratsarbeit immer in erster Linie um das Wohl unserer Stadt ging und geht. Das gilt selbstredend auch für Helge Frederik Lindh als Vorsitzenden des Integrationsrates.

Seit meiner Jugend ist ist der Wahlsonntag für mich ein ganz besonderer Tag: mein erstes Kreuz durfte ich auf dem Briefwahlstimmzettel meiner Mutter bei der OB-Wahl 1994 machen (bei der Auswahl des Kandidaten war mein Mitspracherecht allerdings begrenzt). Meine erste richtige Wahl war der bislang einzige Bürgerentscheid in der Wuppertaler Stadtgeschichte zu den sogenannten Buskaps. Damals musste ich lernen wie es sich anfühlt, wenn man bei einer demokratischen Abstimmung in der deutlichen Minderheit ist. Beim zweiten Mal war das dann anders: bei der Bundestagswahl 1998 wurde für mich deutlich, dass Wahlen tatsächlich etwas bewegen können und nach jahrelangem Stillstand unter Kohl endlich durch einen Regierungswechsel die berechtigte Hoffnung auf frischen Wind im Bund bestand. Mein erster aktiver Wahlkampf war 1999 am Leopoldplatz in Berlin-Wedding für den SPD-Bürgermeisterkandidaten Walter Momper, eine auf jeden Fall spannende, wenn auch nicht immer angenehme Erfahrung. So oder so: wählen gehen war für mich immer etwas Feierliches, nichts Gewöhnliches, auf das man im Zweifel bei besserem Freizeit- oder TV-Programm auch verzichten kann.

Immer mehr Menschen gehen nicht am Wahlsonntag ins Wahllokal, sondern geben ihre Stimme per Briefwahl ab. Das ist natürlich immer noch besser, als gar nicht zu wählen. Ich selber gehe, so wie ich das aus meinem Elternhaus gewohnt bin, mit meinen Kindern gemeinsam Sonntagmittags zur Stimmabgabe, Ich möchte, dass meine Kinder lernen, dass das Recht zu wählen etwas Besonderes ist, für das man sich die Zeit nehmen sollte, denn es ist eben keine Selbstverständlichkeit. Und ich hoffe, dass meine Kinder später den Wert freier Wahlen auch wiederum an ihre Kinder weitergeben.

Also: geht wählen, wenn ihr das nicht schon getan habt. Wählt eine/n der demokratischen Kandidatinnen und Kandidaten, denn das Geschwätz von den Politikern, die nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben und sich die Taschen vollstopfen, ist in den allermeisten Fällen dummes Zeug. Dass es eben nicht egal ist, ob man wählen geht oder nicht, werden wir alle sehen, wenn zum ersten Mal seit langer, langer Zeit wieder Rechtsextreme und Rassisten im Bundestag sitzen werden. Das zu verhindern geht nicht vom Sofa aus!

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