Schulsozialarbeit muss erhalten bleiben

diese grünenEin wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit

(Artikel aus DIESE GRÜNEN Nr. 93, 10/2013)

Noch immer gibt es in unserem Bildungssystem enorme Unterschiede im Bereich der Chancengleichheit: 24 von 100 Kindern aus Elternhäusern ohne akademischen Hintergrund schaffen den Sprung auf eine Hochschule, bei den Kindern aus Akademiker-Haushalten sind es 71 Prozent. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll die Schwächen unseres Schul- und Bildungssystems. Weil aber Bildung in unserer Gesellschaft der Schlüssel zur persönlichen und beruflichen Entwicklung schlechthin ist, bedarf es massiver Kraftanstrengungen, um die Ungerechtigkeiten, die unser Bildungssystem mit seiner frühen Selektion nach Klasse vier hervorbringt, zu überwinden. Nicht die Herkunft, sondern die eigenen Fähigkeiten sollten der bestimmende Faktor für die Schullaufbahn eines Kindes sein.

Vor diesem Hintergrund hatten sich Bund und Länder im Jahr 2011 im Rahmen der Verhandlungen rund um das Bildungs- und Teilhabepaket darauf verständigt, aus dem Bundeshaushalt zusätzliche Mittel für die Schaffung von Sozialarbeiterstellen an Schulen zur Verfügung zu stellen. Schon damals wurde seitens der Länder darauf hingewiesen, dass die durch den Bund vorgenommene zeitliche Befristung des Programms auf insgesamt drei Jahre unzureichend sei. Und auch aus Wuppertal wurde mehrfach der Appell an die Regierung in Berlin gerichtet, dieses Angebot auf Dauer zu gewährleisten, zuletzt in einem durch die GRÜNE Ratsfraktion initiierten Ratsbeschluss im Dezember 2012, der mit großer Mehrheit getroffen wurde (lediglich die FDP, die ja ohnehin als vehementeste Verfechterin eines gegliederten und damit begabungsfeindlichen Systems in Erscheinung tritt, stimmte als einzige Fraktion gegen die Resolution).

In Wuppertal wurden seit Ende 2011 durch dieses Programm 60 Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter eingesetzt, die an 52 Schulen, 25 Kindertageseinrichtungen und im Themenkreis Schulverweigerung tätig sind. In einer Evaluation durch die Uni Wuppertal im Auftrag der Stadt wurde eindrucksvoll nachgewiesen, welche Bedeutung die Sozialarbeit mittlerweile an den Schulen einnimmt und welche Wertschätzung sie genießt. Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sind Anlaufstelle und Gesprächspartner für Kinder, Eltern und Lehrkräfte bei Problemen in der Schule, aber auch darüber hinaus. Sie vermitteln weitergehende Hilfen und schlagen Brücken zwischen der Schule und Einrichtungen im Stadtteil. Der Aufbau dieser Netzwerke und die Schaffung von Vertrauen bei den am Schulleben Beteiligten hat viel Zeit in Anspruch genommen. Ein abruptes Ende der Arbeit wäre eine Katastrophe und darf daher nicht widerspruchslos hingenommen werden.

Die Demonstration am 18.09. in Elberfeld, bei der über 2.000 Menschen ihre Unterstützung für die Schulsozialarbeit bekundeten, war ein starkes Signal.

Bis zum 31.12.2013 bleibt noch Zeit, um eine unbefristete Fortführung des Programms zu bewirken. Es bleibt zuhoffen, dass sich in Berlin die Vernunft durchsetzt.

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