Foto: Sebastian Jarych

Sommer-Praktikum bei der Wuppertaler Tafel

Foto: Sebastian Jarych

Die Wuppertaler Tafel versorgt jeden Tag viele hundert Menschen mit Lebensmitteln. Rund 200 Menschen sind dort ehrenamtlich tätig. Sie opfern ihre Freizeit, um anderen zu helfen und erfahren dabei nicht immer nur Dankbarkeit, sondern werden gelegentlich auch Zielscheibe von Unzufriedenheit und Wut darüber, dass es einigen Menschen in einem so reichen Land wie Deutschland nicht möglich ist, sich regelmäßiges Essen zu leisten. So großartig es ist, dass sie sich so engagieren und dass Menschen hierfür spenden, so unerträglich ist es, dass es so etwas wie die Tafel in unserer Stadt überhaupt geben muss.

Foto: Sebastian Jarych

Armut ist in Deutschland für viele von uns oft nicht sichtbar oder zumindest so versteckt, dass es leicht fällt, sie (bewusst oder unbewusst) zu übersehen. Gleichzeitig kann man das wachsende Ungerechtigkeits-Empfinden und die Angst und Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft nur begreifen, wenn man bereit ist, sie zu sehen. Deshalb habe ich in der letzten Woche einen Praktikums-Tag mit dem Sozialmobil der Wuppertaler Tafel absolviert, bin mit zu den Verteilstellen am Wichlinghauser Markt, am Oberbarmer Bahnhof, am Döppersberg und am Rathaus gefahren und habe dort Lebensmittel verteilt. Das macht mich noch lange nicht zu einem Experten, aber man bekommt Einblicke, die man (und damit meine ich nicht nur Politikerinnen und Politiker) normalerweise nicht erhält: ungeschminkte und unangenehme Einblicke. Menschen, die mit gesenktem Kopf zur Ausgabe kommen, Menschen, denen man die Wut über ihre Leenssituation aus dem Gesicht ablesen kann und viel zu viele ältere Menschen, deren Rente hinten und vorne nicht reicht. Und Kinder!

Wenn es in einem Land, in dem jedes Jahr 1 Billionen Euro für Sozialleistungen aufgewendet werden und in dem es über 150 unterschiedliche familienpolitische Leistungen gibt, immer noch Menschen gibt, die sich keine regelmäßige Mahlzeit leisten können, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht. Dann reicht es nicht, sich über zehn Euro mehr Kindergeld hier und 5% Erhöhung dort zu unterhalten, dann stellt sich die Systemfrage. Erreicht unser Sozialsystem noch diejenigen, die dringend auf Unterstützung angewiesen sind? Wie können wir den Menschen wieder ein menschenwürdiges Leben ermöglichen? Ich glaube, dass das Geld dafür da ist, aber die Art der Organisation einfach nicht mehr stimmt. Wir brauchen eine Grundsicherung, die ein würdiges Leben garantiert. Bis dahin sind viele Menschen weiterhin auf die Tafel und ähnliche Einrichtungen angewiesen. Deshalb: danke für euer Engagement!

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