Warum ich für einen IKEA-Markt in Wuppertal bin…

Foto: miss eskimo-la-la/ Wikimedia

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Ich gestehe: ich kaufe bei IKEA. Gelegentlich setze ich mich mit meiner Familie ins Auto und suche dann den nächstgelegenen IKEA auf, um dort in aller Ruhe wie tausend Andere auch Mittsommer zu feiern, Möbel zu kaufen, mich darüber zu wundern, dass Küchen dort gar nicht billiger sind, mich für den Winter mit Glögg einzudecken und Köttbullar zu essen, kurzum: mich vollends dem Bullerbü-Syndrom hinzugeben. Neben dieser sehr individuellen Sehnsucht, die ein Großteil aller Menschen in Deutschland hin und wieder überkommt, gibt es aber auch einen sachlichen Grund, weshalb Wuppertal einen solchen Fachmarkt benötigt. Fast 60% der innerstädtischen Kaufkraft im Möbelsortiment kann nicht in der Stadt befriedigt werden, sondern fließt in die Nachbarschaft ab, also z. B. in die Möbelhäuser in Haan-Ost, Dortmund-Kley, Bochum-Langendreer oder eben Düsseldorf. Hier ein Angebot zu schaffen, täte dem Standort Wuppertal gut. Ein guter Grund, warum ich für einen IKEA-Markt in Wuppertal bin, das erklärt aber noch nicht…

…warum ich gegen einen IKEA-Homepark bin.

Bei den Planungen in Nächstebreck handelt es sich nicht um einen typischen IKEA, sondern um ein neues Konzept: den IKEA-Homepark. Hierbei werden neben dem üblichen Möbelmarkt schwedischer Herkunft in einem danebenliegenden Fachmarktzentrum weitere Waren angeboten. Diese können zum nicht unerheblichen Teil sogar Zentrenrelevanz besitzen. Welche Waren zentrenrelevant sind und welche nicht, wird auf kommunaler Ebene im Rahmen einer Sortimentsliste festgelegt und dient dazu, bestimmte Angebote dem Innenstadtbereich vorzubehalten, um die Zentren als Einkaufsmeilen zu stärken. Die für Wuppertal geltende „Bergische Liste“ wurde im Rahmen eines ausführlichen Prozesses zur Entwicklung einer gemeinsamen Einzelhandelsstrategie des Städtedreiecks konsensual erarbeitet, um einseitige, den Interessen der Region zuwiderlaufende Großprojekte zu verhindern. Das Prinzip lautet „Innen- vor Außenentwicklung“. Was passiert, wenn dieses Prinzip in den Hintergrund tritt, lässt sich gut an verschiedenen Stellen im Ruhrgebiet, z. B. der Stadt Oberhausen und dem CentrO, erkennen.

Seit IKEA mit seinen Homepark-Planungen bei der Stadtverwaltung auf der Matte stand, sind all diese guten Vorsätze vergessen. Neben dem 25.000 m2 großen Möbelmarkt soll auch ein 21.000 m2 sogenanntes Fachmarktzentrum entstehen, das laut Gutachten der GMA, welches die Auswirkung des Projektes auf die Innenstadt analysiert hat, einen Anteil an zentrenrelevanten Waren von 52 bis 53 Prozent hat. Mehr als die Hälfte der dort angebotenen Produkte stehen also in direkter Konkurrenz zu den Angeboten in der City.

Während in Wuppertal also der Ausverkauf der Innenstadt wissentlich in Kauf genommen wird, sind sich auf Landesebene so gut wie alle Fraktion darüber einig, dass dem Wildwuchs auf der grünen Wiese Einhalt geboten werden muss. Die SPD zum Beispiel verabschiedete gemeinsam mit dem grünen Koalitionspartner im Kabinett einen sogenannten „Sachlichen Teilplan Großflächiger Einzelhandel“, der, da er sich in Aufstellung befindet, von den Kommunen bei ihren Planungen berücksichtigt werden muss. Unter anderem schreibt dieser Plan eine Höchstgrenze für zentrenrelevantes Sortiment außerhalb der Innenstädte von zehn Prozent vor, also weit weniger, als seitens IKEA im Rahmen des Homeparks geplant ist. Und auch die kurzfristige und einseitige Änderung der Sortimentsliste durch den Wuppertaler Stadtrat, durch die die Homepark-Planung passend gemacht werden sollte, brachte keinen Erfolg: der Anteil liegt nun zwar unter dem bisherigen Wert, mit 18-20% (im Möbelmarkt bei 16-17%) aber immer noch deutlich über der Höchstgrenze (warum die Verwaltungsvorlage zu IKEA, die sich bei den Zahlen ausdrücklich auf das GMA-Gutachten bezieht, von insgesamt 15% zentrenrelevantem Sortiment im IKEA-Homepark nach der Anpassung der Liste spricht, ist mir schleierhaft) . Die von allen auf Landesebene geteilten Ziele zur Stärkung der Innenentwicklung können also trotz der „Kreativität“ der Stadtverwaltung nicht eingehalten werden.
Schon dieses Gutachten kommt in der Bewertung der Auswirkungen zu dem Fazit:

„Vor dem Hintergrund der Zielsetzung des Regionalen Einzelhandelskonzeptes ist das Vorhaben somit z. T. positiv zu sehen, da es gerade in den Sortimentsbereichen Möbel und Einrichtungsbedarf sowie bei Sportsortimenten neue Angebote und einen attraktiven Standort schaffen kann. Allerdings widerspricht ein hoher Anteil an zentrenrelevanten Sortimenten auch der Zielsetzung des REHK, die zentralen Versorgungsbereiche im Bergischen Städtedreieck zu stärken.“ (S. 81)

Deutlich wird hierbei, dass das Vorhaben trotz einzelner positiver Aspekte insgesamt durch die Größe und die Lage eine Konkurrenz zu den Innenstädten, insbesondere zur Barmer City darstellt.

Die GRÜNEN haben sich wie andere Parteien auch auf Landesebene eindeutig gegen großflächigen Einzelhandel außerhalb der Innenstädte ausgesprochen. Auch der Koalitionspartner SPD sprach sich zuletzt auf ihrem Landesparteitag am 29.09.2012 in Münster gegen „weitere Aushöhlungen unserer Innenstädte“ aus, wobei das IKEA-Vorhaben in Wuppertal in der Antragsbegründung explizit als ein Beispiel genannt wurde. Und auch die Regionalratsfraktionen der SPD in NRW sprachen sich in einer gemeinsamen Resolution gegen Vorhaben wie den Homepark aus (die merkwürdige Doppelrolle, die der Wuppertaler Fraktionsvorsitzende der SPD als gleichzeitiges Mitglied des Regionalrates Düsseldorf spielt, war im März 2012 Thema bei Radio Wuppertal: „Verwirrung um IKEA-Stellungnahme„.

Insgesamt handelt es sich bei der Entscheidung für oder gegen IKEA also um eine Abwägungsfrage: möchte man eine Ansiedlung von IKEA um jeden Preis und nimmt daher in Kauf, dass durch die zusätzliche Ansiedlung eines Fachmarktes, der fast die Hälfte der Gesamtverkaufsfläche der Barmer Innenstadt umfasst, die Funktionsfähigkeit der nahen Einkaufszonen gefährdet wird? Oder möchte man in erster Linie attraktive und funktionsfähige Innenstädte und verzichtet daher nolens volens auf einen Möbelfachmarkt, wohl wissend, dass durch einen Verzicht auf den Homepark alleine die Probleme insbesondere in der Barmer Fußgängerzone noch nicht gelöst sind. Besser werden sie aber im anderen Fall ganz bestimmt auch nicht.

Bezieht man die landespolitischen Entwicklungen mit in die Überlegungen ein muss man zu der Überzeugung kommen, dass eine Zustimmung zum Homepark-Vorhaben im Widerspruch zu den planerischen Vorgaben stehen, die in Düsseldorf parteiübergreifend als Konsens gelten und von der rot-GRÜNEN Landesregierung zur Maßgabe für die Planungen vor Ort erhoben wurden. Es wäre daher unaufrichtig, sich in Wuppertal von den überregionalen Zielen des Vorrangs für die Innenentwicklung zu verabschieden, nur um einen kurzfristigen Erfolg verbuchen zu können. Für eine derartig prinzipienlose Politik stehen GRÜNEN nicht zur Verfügung! Ich bin froh, dass meine Partei (als einzige politische Kraft) das, was sie auf Landesebene als richtig erachtet, auch auf kommunaler Ebene konsequent berücksichtigt. Ich halte das für eine Frage der Glaubwürdigkeit!

Da IKEA bereits frühzeitig signalisiert hat, dass für sie die Realisierung nur am Standort Nächstebreck und auch nur als Homepark-Projekt in Frage kommt, entscheide ich mich gegen IKEA-Homepark Wuppertal!

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