Die L419 und der Baumschutz

In der vergangenen Woche hat die Westdeutsche Zeitung anlässlich des zehnjährigen Jahrestags der Abschaffung der Wuppertaler Baumschutzsatzung darüber berichtet, dass wir Grüne die Wiedereinführung einer bürgerfreundlichen Regelung fordern, um den Baumschutz in Wuppertal zu verbessern und damit das Leitbild der „Grünen Stadt“ aktiv und glaubwürdig zu unterstützen. Anlässlich dieses Artikels erhielten wir einen offenen Brief eines Bürgers, den die WZ in ihrer Ausgabe vom 24.05. veröffentlichte. Hier meine Antwort auf das Anschreiben, das die WZ in Auszügen wiedergab:

offener brief bäume l419

Sehr geehrter Herr XXX,

haben Sie vielen Dank für ihren Brief zum Thema „Bäume schützen“, den ich im Namen der grünen Ratsfraktion beantworte. Das Engagement für den Baumschutz ist seit vielen Jahren zentraler Bestanteil grüner Politik in Wuppertal, so haben wir bereits vor zehn Jahren die Abschaffung der damaligen Baumschutzsatzung vehement abgelehnt und das (letzten Endes leider erfolglose) Bürgerbegehren zu ihrem Erhalt aktiv unterstützt. Unser Einsatz für die Natur ist, anders als bei unseren politischen Mitbewerbern, bei denen in der konkreten Tagespolitik Umwelt- und Naturschutz oftmals nachrangig behandelt werden, also eben kein „Wahlkampfslogan“, zumal momentan auf kommunaler Ebene auch kein Wahlkampf ansteht.

Allerdings gab es im letzten Jahr einen Wahlkampf, in dem ich als grüner OB-Kandidat angetreten bin und mich auch öffentlich zum Thema L419-Ausbau geäußert habe. So habe ich im August 2015 meine ablehnende Haltung zum geplanten Ausbau zum Ausdruck gebracht und darauf hingewiesen, dass:

mit einem Ausbau am Ende niemandem geholfen ist: die Autofahrenden werden trotzdem im Stau stehen, die Anwohnerinnen und Anwohner werden trotz (oder vielleicht sogar wegen) sieben Meter hoher Lärmschutzwände eine deutliche Einschränkung ihrer Wohnqualität hinnehmen müssen und das Bild der Parkstraße, die ja heute noch auf beiden Seiten von dichten Baumreihen eingerahmt ist, wird sich ebenfalls drastisch verändern„.

Allerdings lehne ich auch die von ihnen favorisierte Tunnel-Lösung ab, da sie keinen wirkungsvollen Beitrag zum Baum- und Klimaschutz leistet. Im Rahmen der ZOFF-Exkursion entlang der L419 Anfang August 2015 wurde deutlich, dass auch bei einer Unterunnelung der Straße ein massiver Eingriff in den Baumbestand vorgenommen werden müsste. Wer sich also glaubwürdig für Baumschutz einsetzt, muss konsequenter Weise sowohl den autobahnänhnlichen Ausbau als auch die Tunnellösung ablehnen. Eine Sanierung der Landstraße unterstützen wir selbstverständlich, aber Maßnahmen, an deren Ende eine Verdopplung des Verkehrsaufkommens in der gesamten Stadt und massive Abholzungen an der Parkstraße stehen, sind klimaschädlich und finden daher nicht unsere Unterstützung.

Hier finden Sie noch weitere Informationen zum Thema:

http://www.gruene-wuppertal.de/fraktion/presse/grune-geplanter-autobahnahnlicher-ausbau-der-l-419-immer-noch-kein-grund-zum-jubel/

http://www.gruene-wuppertal.de/fraktion/presse/l-419-was-gilt-denn-nun-bei-der-spd/

Da Sie ihr Schreiben als offenen Brief an die Medien verschickt haben, gehen Kopien unserer Antwort selbstverständlich ebenfalls an die von Ihnen genannten Zeitungen zur Kenntnis.

Mit freundlichen Grüßen

Marc Schulz
Fraktionsvorsitzender

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